Kybernetik und die
Systemwissenschaften

Die Quellen unserer neuen Zeit
 sind gleichzeitig die Hilfestellung, das Beste aus ihr zu machen.

Gedanken über Systeme gab es schon in der Antike. 
Man verstand darunter ein aus mehreren Einzelteilen zusammengesetztes Ganzes,
das andere und höhere Funktionen hervorbringen kann als seine einzelnen Teile.
"Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile," brachte es Aristoteles auf den Punkt.
Das gilt bis heute, und lange musste man sich mit diesem Wissen begnügen.
Bis sich gegen Ende des II. Weltkriegs Wissenschaftler fragten,
ob wir nicht viel mehr über Systeme wissen sollten und könnten, 
um häufige und große Probleme zu vermeiden und bessere Lösungen zu erfinden...

Systeme und ihre Unterschiede

 

So lange schon von "Systemen" gesprochen wurde, 
so oberflächlich waren auch lange die Vorstellungen dahinter. Hier einerseits durchaus durchschaubare Werkzeuge, Mechanismen und Maschinen, da andererseits oft völlig nebulös wirkende soziale Systeme wie manche Vereinigungen, Dynastien oder die Mafia. 
Dann aber beganngen erste Wissenschaftler, 
Systeme anhand ihrer Eigenschaften und Funktionsweisen 
zu unterscheiden. Zum Beispiel zwischen linear und nichtlinear funktionierenden Systemen, sogenannten einfachen und komplexen Systemen, technischen und lebendigen, 
offenen und geschlossenen, usw. 
Erst daraus entstand viel wertvolles Wissen über Systeme, 
das beim Vermeiden und Lösen von Problemen half. 
Denn jede Art von System will anders behandelt werden. 
Solche Unterscheidungen entstanden um 1950.

Systemwissenschaften und die neue Zeit

 

Die meisten Probleme hat der Mensch mit komplexen,
nichtlinear funktionierenden Systemen. Das sind zum Beispiel alle Lebewesen, auch die Menschen und ihre Organisationen.
Die ersten entscheidenden Erkenntnisse
über die besondere Natur komplexer Systeme wurden 1948
von Norbert Wiener mit seinem Buch Cybernetics (Kybernetik) und 1949 von Ludwig von Bertalanffy mit seiner
Allgemeinen Systemtheorie publiziert.
Bald darauf folgte die Lehre der System Dynamics von Jay W. Forrester und die Chaostheorie mehrerer Autoren. 
Heute fasst man diese Lehren unter dem Begriff System Sciences / Systemwissenschaften zusammen. 
Sie brachten fast alles hervor, was unsere heutige Zeit prägt: 
die Informatik, digitale Telekommunikation, Automatisierung, Robotik, Artificial Intelligence, das Internet, systemorientierte Managementlehren und auch auf fast allen anderen Gebieten eine völlig andere Denk- und Herangehensweise an das Problemlösen und Design von Systemen, als es zuvor üblich war.

Dass wir mit diesen radikalen Umbrüchen heute noch 
viele Probleme erleben, rührt vor allem daher, 
dass nicht alle Aussagen aus den Systemwissenschaften verlässlich sind und dass die verlässlichen vielfach noch nicht vertraut sind oder noch nicht richtig verstanden werden. 
Man braucht die Orientierung durch echte Kenner dieses Fachs. Maria Pruckner führt ihre Erfolge vor allem darauf zurück, 
dass sie sich konsequent daran gehalten hat und hält.

Das Gemeinsame am Verschiedenen

Während man in anderen Fachgebieten erforscht, 
was Wesen und Dinge voneinander unterscheidet, 
erforscht man in den den Systemwissenschaften, 
was sie gemeinsam haben. 
Der Vorteil von diesem Systemwissen ist daher, 
dass man es nur einmal erlernen muss, 
um es auf alle entsprechenden Systemarten 
erfolgreich anwenden zu können. 

Ein gutes Sinnbild 
für systemwissenschaftliche Phänomene ist ein Skelett. 
Es ist bei allen gesunden Menschen gleich gebaut und 
lässt ihre Bewegungen auf dieselbe Weise funktionieren. 
Nur das Drumherum macht die Menschen verschieden. 

Auch Maschinen und Lebewesen haben vieles, 
wenn auch nicht alles gemeinsam.
Moderne Maschinen haben besonders viel 
mit Lebewesen gemein, insbesondere mit dem Menschen,
weil der menschliche Organismus, 
insbesondere sein Nervensystem,
begonnen vom Computer bis zur Künstlichen Intelligenz
die Vorlage für sie ist. 

Kybernetik

Die Systemwissenschaft für Systeme, die Zwecke und Ziele verfolgen
und darüber, wie ihre Steuerung und Regulierung funktioniert. 

Für das Vermeiden und Lösen von Problemen, 
Erfinden und Entwickeln von Systemen, Management und Führen
ist die Systemwissenschaft der Kybernetik von entscheidender Bedeutung. 
Denn sie konzentriert sich auf komplexe Systeme, die Zwecke und Ziele verfolgen.
Auf das Klima und Wetter zum Beispiel trifft das nicht zu, obwohl es komplexe Systeme sind,
und auf viele Maschinen auch nicht, weil es einfache Systeme sind. 

Die Wissenschaft von der Praxis

Ganz einfach gesagt, geht es in der Kybernetik darum, 
wie - bei aller Theorie - die Praxis generell funktioniert, 
weil hier all das zusammenwirkt, was in der Theorie voneinander getrennt behandelt wird. Begründet wurde die Kybernetik um 1950 herum in den USA, im Rahmen der legendärren Macy-Konferenzen, von einer multidisziplinären, internationalen Forschergruppe höchsten Ranges. Auch wenn es oft anders dargestellt wird, war es also nicht nur Norbert Wiener, 
es waren viele Wissenschaftler, die zur Entwicklung der Kybernetik beigetragen haben. Links sehen Sie ein Foto, das viele von ihnen zeigt. Rechts vorne sehen Sie Heinz von Foerster, der die damaligen Forschungsarbeiten herausgegeben hat. Er war für Maria Pruckner der wichtigste Lehrer und ein enger Freund.

Böse Kybernetik?

Spätestens an dieser Stelle muss ein großes, weit verbreitetes Missverständnis über die Kybernetik angesprochen werden. Vielfach heißt es, u.a. im deutschen Artikel über die Kybernetik auf Wikipedia, die Kybernetik sei die Wissenschaft von "der Steuerung und Regelung von Maschinen, lebenden Organismen und sozialen Organisationen" oder „die Kunst des Steuerns“. Das stimmt so nicht. Im Rahmen der Kybernetik wurde aufgezeigt, dass sich komplexe Systeme selbst steuern und selbst regulieren, dass sie also eigendynamisch angetrieben funktionieren. Sie lassen sich daher nicht ohne Weiteres und oft gar nicht steuern und regulieren. Deutlich wurde dies schon mit der ersten Publikation gemacht. Sie stammt von Norbert Wiener, ihr Titel lautet: "Cybernetics or Control and Communication in the Animal and the Machine". Er lautet ganz bewusst nicht "Cybernetics or Control and Communication of the Animal and the Machine". Die Begründer und Kenner der Kybernetik empfehlen aus guten Gründen entsprechende Demut, zumindest aber hohen Respekt vor der Eigendynamik komplexer Systeme. Dass sich daran nicht alle halten, liegt nicht an der Kybernetik, sondern an Menschen, die es mit der Sprachübersetzung nicht genau genug nehmen, oder die komplexe Systeme unterschätzen oder es mit ihrer Verantwortung nicht allzu genau nehmen. Oft wird die Kybernetik auch mit der Informatik gleichgesetzt. Beide unterscheiden sich voneinander aber wie Tag und Nacht.

Keine Algorithmen, sondern eine Strategie

Komplexe Systeme sind nichts Absolutes, für das man allgemein gültige Patentrezepte empfehlen und Algorithmen entwicklen kann. Sie sind höchst individuell und im permanenten Wandel. Wie man mit ihnen am besten vorgeht, hängt daher vom jeweiligen Fall ab. Die Kybernetik bietet deshalb keine konkreten Lösungen für konkrete Probleme. Sie liefert wissenschaftlich fundierte Strategien, Modelle, Werkzeuge und Methoden für die Suche, Entwicklung und Umsetzung von Lösungen, durch welche Probleme gelöst werden, ohne dadurch andere und gar größere zu erzeugen. 

Kybernetik:
Begriffe und
Bedeutungen

Weil die Kybernetik eine universelle Denkschule ist, die auf vieles Verschiedenes angewendet werden kann, sind mit dem Begriff "Kybernetik" viele verschiedene Definitionen und Bedeutungen verbunden. Hier ein grober Überblick.

Wortherkunft von "Kybernetik"

Cyber... Das kommt jedem bekannt vor. "Cybernetics" ist der englische Begriff für die Wissenschaft der Kybernetik. Dieser Begriff kommt ursprünglich vom griechischen Wort "kybernetes" für "Steuermann". Er hat dieselbe Herkunft wie die Worte "Government", "Gouverneur" oder "Governor". Im Allgemeinen spricht man damit eine Regierungs- oder Steuerungskunst an, das trifft die Wissenschaft der Kybernetik aber nicht ganz.

Die Kybernetik als Wissenschaft

Die Kybernetik wird der Grundlagenforschung und als Anwendungs-, Formal-, Meta- und Systemwissenschaft eingeordnet. In diesem Sinne  entwickelt sie wissenschaftliche Grundlagen und Methoden zur Erforschung, Entwicklung und Behandlung komplexer Systeme. 


Definitionen der Wissenschaft "Kybernetik"

Die Kybernetik bringt als universell gültiges Wissen viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten mit sich. Daher gibt es auch viele verschiedene Definitionen für sie. Zum Beispiel:
"Die Wissenschaft vom Funktionieren" - Maria Pruckner.
"Die Wissenschaft von der Praxis" - W. Ross Ashby.
"Die Wissenschaft von der Steuerung und Regulierung in Systemen durch Information und Kommunikation" - Norbert Wiener.    

Die Kybernetik als wissenschaftliche Methode 

Anwendungsorientiert steht der Begriff Kybernetik für eine wissenschaftliche Methode, komplexe Systeme zu untersuchen, Probleme treffend zu diagnostizieren, das Verhalten komplexer Systeme solide zu prognostizieren, komplexe Probleme professionell zu lösen und komplexe Systeme effektiv zu gestalten.    

Die Kybernetik als Phänomenkomplex 

Als "Kybernetik" bezeichnet man aber auch die jeweils konkret wirksamen Phänomene der Steuerung und Regulierung eines Systems sowie die Art und Weise ihrer Wirkung, die für das Funktionieren eines bestimmten Systems sorgen. 

Kybernetik Erster und Zweiter Ordnung

Die Unterscheidung zwischen einer Kybernetik Erster und Zweiter Ordnung stammt von Heinz von Foerster. Sie geht vom Problem des Beobachtens aus und hat fundamentale Bedeutung . Heinz von Foerster unterschied klar zwischen Eigenschaften von Systemen, die beobachtet werden und ordnete diese einer Kybernetik Erster Ordnung zu. Eigenschaften von Systemen, die selbst beobachten, fallen in eine Kybernetik Zweiter Ordnung. Die jeweiligen Eigenschaften haben unterschiedliche Strategien als Konsequenz.

Allgemeine Kybernetik

Das Wissen aus der Allgemeinen Kybernetik ist jenes Wissen, 
das für alle Arten von komplexen Systemen mit Zwecken und Zielen gültig ist. Sie ist für das Management die wichtigste Basis,
weil man es im Management mit allen Systemarten zu tun hat.

Fachkybernnetik

Weitere Gebiete der Kybernetik konzentrieren sich auf die Anwendung der Kybernetik auf verschiedene Arten von Systemen bezüglich ihrer Struktur, die zum Beispiel aus biologischen Zellen und/oder technischen Elementen bestehen können. Dazu gehörten u.a. die Technische Kybernetik, Managementkybernetik, Medizinkybernetik, Biokybernetik, Soziokybernetik, Baukybernetik, usw. 

System Sciences - Systemwissenschaften

Nach dem Entstehen der ersten Systemtheorien, die von verschiedenen Wissenschaftlern stammen, kam es in der Wissenschaft zu ihrer Verschmelzung in ein einziges Gebiet, in dem weitere Forschungsgebiete entstanden. Heute spricht man, wenn auch vielleicht nicht endgültig, vom Gesamtgebiet der System Sciences (Systemwissenschaften.