Was ist Kybernetik?

Aus traditionellen Gründen führe ich diese Seite seit dem Jahr  2000, für Interessierte aus sämtlichen Kreisen und Schichten der Gesellschaft.    

Cyber... Das kommt jedem bekannt vor. "Cybernetics" ist der englische Begriff für die Wissenschaft der Kybernetik. Sie ist die Basis der Digitalisierung - vom Computer bis zum Internet, vom Automaten bis zum Roboter, und der intelligenten Organisation von komplexen Systemen - vom Lebewesen, sozialen Gruppen, Firmen, Institutionen, ganzen Gesellschaften bis hin zur ganzen Menschheit.  Der Begriff "Kybernetik" kommt ursprünglich vom griechischen Wort "kybernetes" für Steuermann. Er hat dieselbe Herkunft wie die Worte "Government", "Gouverneur" oder "Governor" und meint im Allgemeinen die Regierungs- und Steuerungskunst. 

Die Kybernetik bringt viele Anwendungsmöglichkeiten mit sich, daher gibt es viele Definitionen über sie.
"Die Wissenschaft vom Funktionieren" ist eine Definition von Maria Pruckner.
"Die Wissenschaft von der Praxis" ist die Definition von W. Ross Ashby.
"Die Wissenschaft von der Steuerung und Regulierung in (nicht von!) Systemen aller Art durch Information und Kommunikation" ist eine zeitgemäße Anlehnung an die Definition von Norbert Wiener.   

Was ist komplex? Komplexität?

Doch bevor man eingehender über die Kybernetik spricht, braucht es ein hilfreiches Verständnis vom Begriff der Komplexität. In der Wissenschaft deutet man mit "komplex" ein System an, dass aufgrund seiner Bauweise und Organisation das Potenzial so vieler verschiedener Verhaltensmöglichkeiten erwünschter und unerwünschter Art hat, dass es einem einzelnen menschlichen Gehirn unmöglich ist, sich alle vorzustellen und sie alle zu erfassen. Selbst in der Kooperation und Kollaboration mit anderen Menschen, die jeweils andere Beobachtungen und Fachkenntnisse haben, findet man nie alles, aber meist zumindest immerhin das Wichtigste heraus. Dazu braucht man aber die Zusammenarbeit in Systemen über Systeme, die so organisiert ist, dass alle rasch das Relevante erkennen und voneinander lernen können. Dafür verwendet man spezielle Modelle und Methoden. 

 

Damit es beim arbeitsteiligen Problemlösen zu keinen endlosen Diskussionen darüber kommt, wer nun recht hat und wer nicht, weil sich die Beteiligten ständig in asymmetrischen Informationslagen befinden, hat man im Rahmen der Kybernetik nach immer und überall vorhandenen Gesetzmäßigkeiten in komplexen Systemen gesucht und nach universellen Organisationsmustern ihres nicht mehr weiter optimierbaren Funktionierens sowie ihrer Dysfunktionen. Die Designprinzipien des Gelingens und Misslingens sind seither bekannt. Anhand dieser Prinzipien kann man universelle und spezifische System-Modelle entwickeln, die sozusagen Landkarten des Funktionierens und der möglichen Entwicklungen darstellen.

 

Wo man die Einsichten der Komplexitätsforschung nutzt, kann man sich darauf verlassen, dass es bei allen Versuchen der Wertschöpfung und Wertsteigerung nicht, wie heute so oft, zu Wertverlust und Wertvernichtung kommt, sondern zu einer nie zuvor dagewesenen Produktivität und Innovationskraft. Egal um wen es geht oder um was es sich handelt, es sind immer und überall dieselben Prinzipien und Muster, die für optimales Gelingen und jedes Misslingen verantwortlich sind.

Kybernetik - ein weites Feld

Symbol der Kybernetik
Symbol der Kybernetik

 

Die Allgemeine Kybernetik ist eine strikt praxis- und anwendungsorientierte Systemwissenschaft mit universeller Gültigkeit. Sie konzentriert sich auf komplexe Systeme lebender, sozialer, immaterieller oder technischer Natur, die Zwecke und Ziele haben, insbesondere auf all die Probleme, bei denen sich die Schlange in ihren eigenen Schwanz beißt: auf zirkuläre oder nichtlineare.

 

Solche Probleme entstehen insbesondere zwischen Systemen, die beobachten und Systemen, die beobachtet werden. Sie spielen für die Effektivität, Produktivität und Innovationskraft die Hauptrolle. Denn für den Menschen bedeutet all das konkret die große Schwierigkeit, trotz aller Komplexität das Relevante zu erkennen, die wahren Probleme zu identifizieren und gekonnt zu lösen.

 

Das bedeutet, hirnbedingte Illusionen, die sich in keiner Weise von faktischen Wahrnehmungen unterscheiden, zu überwinden und fatalen Täuschungen zu entgehen. In diesem Sinne ist die Kybernetik eine Strategie, mit der man Probleme in komplexen Verhältnissen treffend  identifiziert und nachhaltig löst.

 

Die Kybernetik ist nicht, was noch oft gemeint wird, die Problemlösung selbst. Sie ist die bislang beste Lösung, wie man komplexe Probleme löst. Weil Komplexes von Mal zu Mal individuelle Lösungen verlangt, gibt es keine wirksamen Standardlösungen für komplexe Lösungen, die man einfach nur wissen und nachahmen muss.

Ein bisschen Kybernetik funktioniert nicht

Es ist leider noch weit verbreiteter Humbug, mit einem oder einigen wenigen Zitaten aus der Kybernetik große Welterklärungs- oder Erfolgsversprechungen zu machen. Tatsächlich finden sich in der Primärliteratur der Kybernetik eine Reihe konfliktreicher, ungeklärter und auch ungelöster Fragen, wie es für einen jungen Forschungsbereich natürlich ist. Ebenso finden sich aber eine ausreichende Anzahl grundlegender Erkenntnisse über naturgegebene Gesetzmäßigkeiten in Systemen - über das System aller Systeme sozusagen - sowie über die verschiedenen vorhersagbaren Reaktions- und Verhaltensweisen komplexer Systeme, die sich sowohl in der Praxis der Technik, als auch in der lebender, sozialer und immaterieller Systeme als höchst verlässlich erweisen.

 

Entscheidend ist dabei, dass man mit einem bestimmten Komplex aus Modellen und Prinzipien arbeitet. Maria Pruckner arbeitet ausschließlich mit solchen, die sich in der Praxis von Stafford Beer, dem Begründer der Management-Kybernetik und in ihrer eigenen Praxis seit vielen Jahrzehnten verlässlich bewähren. Im Wesentlichen ist dieser Komplex geprägt von den Einsichten ihres Lehrers Heinz von Foerster.

 

Die Folgeliteratur der Kybernetik liest sich zwar vielfach deutlich einfacher, bringt aber häufig nur noch Verwirrung, mit der auch Maria Pruckner in ihren frühen Jahren konfrontiert war. Durch die Hilfe von Heinz von Foerster, der als Herausgeber der Tagungsbände der Macy-Konferenzen, in deren Rahmen die Kybernetik entstand, den besten Überblick über die Arbeiten der einzelnen Mitbegründer hatte, konnte sie die notwendige Klarheit entwickeln.

Die Wissenschaft von der Praxis, vom Funktionieren und der effektiven Organisation

Das Gehirn sucht plausible Erklärungen für das, was geschieht. Sobald es eine Antwort hat, fließen Glückshormone. Der Mensch gibt sich daher mit seiner Meinung schnell zufrieden, ob sie passt oder falsch ist, spielt in diesem Moment keine Rolle. Im Umgang mit Komplexität ist das leider ein großes Problem. Denn komplexe Verhältnisse erlauben viele Erklärungen, weil ein Gutteil der Zusammenhänge intransparent bleibt und nicht nachgewiesen werden kann. Was plausibel klingt, muss aber noch lange nicht plausibel sein. Die Kybernetik wurde für einen verlässlichen Umgang mit komplexen Problemen und Systemen entwickelt, bei dem die Plausibilität anhand wissenschaftlich fundierter Soll-Werte beurteilt wird.

Unsere Emotionen kommen aus der Steinzeit. Unsere Organisationsformen sind Jahrhunderte alt. Nur unsere Technologien repräsentieren, was tatsächlich möglich ist und sie bestimmen das Tempo. Die Technologie des Informationszeitalters kommt aus der Kinderstube der Kybernetik, so etwa die Telekommunikation, Informatik, Automatierungstechnik, Steuerungs- und Regeltechnik, Robotik, Bionik und AI. Das Modell für diese Entwicklungen waren Nervensysteme, insbesondere das menschliche, mit der Frage, wie Kommunikation in Organismen und Maschinen funktioniert. Sie funktioniert nach dem Schema "alles oder nichts", d.h. Signale werden entweder registriert oder nicht.

Um "alles" entsprechend ganzheitlich zu lösen, damit "nichts" Problematisches passiert, hat man in der Kybernetik auch die erforderlichen Problemlösungs-, Organisations- und Managementkonzepte entwickelt. Kurz gesagt ist sie eine anwendungsorientierte wissenschaftliche Grundlage über das Funktionieren komplexer Systeme und ihre effektive Organisation. Seit etwa 1950 wird sie in der Wissenschaft, Technik, im Management und vielen anderen Gebieten genutzt, um komplexe Probleme und Aufgaben treffsicher zu lösen und um hocheffektive Systeme zu entwickeln.

Zweck der Kybernetik

Mit den Grundlagen, Modellen, Methoden und Tools der Kybernetik lassen sich komplexe Probleme treffsicher diagnostizieren, künftige Entwicklungen frühzeitig erkennen, Strategien, Stukturen und Prozesse zweck- und zielgerichtet gestalten und komplexe Systeme wirksam steuern und regulieren.

Ziel der Kybernetik

Durch angewandte Kybernetik gewinnt man die notwendigen Einsichten über das Funktionieren, die Effektivität, die Erfolgschancen sowie das Störungspotenzial aller und konkreter komplexer Systeme, und darüber, wie man sie am besten behandelt und optimiert. Sie hilft, komplexe Probleme fächerübergreifend und fächerverbindend auf der Basis einer gemeinsamen Grundlage auf kollaborativem Weg optimal zu lösen.

Der Begriff "Kybernetik" hat mehrere Bedeutungen

Kybernetik als Wissenschaft: Die Kybernetik stammt aus der Grundlagenforschung und wird als Anwendungs-, Formal-, Meta- und Systemwissenschaft eingeordnet. In diesem Sinne  entwickelt sie wissenschaftliche Methoden zur Erforschung und Behandlung komplexer Systeme.

 

Kybernetik als Phänomenkomplex: Als Kybernetik bezeichnet man aber auch die jeweils konkret wirksamen Elemente der Steuerung und Regulierung sowie die Art und Weise ihrer Wirkung, die für das Funktionieren eines bestimmten Systems sorgen.

 

Kybernetik als wissenschaftliche Praxis oder Methode: Der Begriff steht aber vor allem für die wissenschaftliche Methode, komplexe Systeme zu untersuchen, Probleme treffend zu diagnostizieren, das Verhalten komplexer Systeme solide zu prognostizieren, komplexe Probleme professionell zu lösen und komplexe Systeme effektiv zu gestalten.

Fachkybernetik: Die Allgemeine Kybernetik wurde bald nach ihrem Entstehen für viele verschiedene Anwendungsbiete konkretisiert, allen voran die Technische Kybernetik, Managementkybernetik, Medizinkybernetik, Biokybernetik, Sozialkybernetik, Baukybernetik, usw.

Die Basis für inter-, trans- und multidisziplinare Arbeit

Die Kybernetik entstand Mitte des 20. Jahrhunderts durch die multidisziplinäre Zusammenarbeit einer Gruppe exzellenter Forscher aus den unterschiedlichsten Fachgebieten. Und zwar aus der Einsicht heraus, dass komplexe Problemstellungen die fächerübergreifende Kollaboration verlangen. Die Begründer der Kybernetik stammten u.a. aus der Biologie, Neurologie, Mathematik, Physik, Psychologie, Soziologie, Logik, Linguistik. Mit den Erkenntnissen der Kybernetik kann man fächerübergeordnet und fächerverbindend auf dem Gemeinsamen unterschiedlicher Systeme aufbauen. Sie ist daher im Management nicht nur durch ihre Spezialisierung auf Probleme und Chancen durch Komplexität besonders hilfreich, sie unterstützt insbesondere auch die notwendige inter- und multidisziplinäre Zusammenarbeit in der Aufgabenteilung.

Die Strategie, nicht die Lösung

Komplexe Systeme sind nichts Absolutes, für das man allgemein gültige Patentlösungen empfehlen kann. Sie sind höchst individuell und im permanenten Wandel. Die Kybernetik bietet daher keine konkreten Lösungen für konkrete Probleme, sondern wissenschaftliche Methoden für die Suche, Entwicklung und Umsetzung einer jeweils besten Problemlösung.

Die Wissenschaft von der Praxis

Angewandte Kybernetik bedeutet das effektive wie ökonomische Realisieren von Zwecken und Zielen. Dabei geht es um Fragen der (Selbst-)Steuerung und (Selbst-)Regulierung, Wirklichkeit, Ordnung, Unordnung, von Chaos, Funktionalität, Störungen, Krisen, Eigendynamiken, Hirnleistungsprobleme, Beobachtung, Wahrnehmung, Information, Kommunikation, Erkenntnis und Entscheidung.

Das Wissen über das Funktionieren und über Wirkungen

Man könnte sagen, die Kybernetik steht primär für das Wissen vom Funktionieren und von Wirkungen an sich, d.h. der naturgegebenen Wirkungen, die nicht nur der Mensch, sondern schon jedes winzigste Element in einem komplexen System herbeiführen kann. Es geht hier um Wirkungen, die mächtiger sind als der Mensch. Sekundär steht das Wissen der Kybernetik für das, was effektiv funktioniert und wirkt.

Eigendynamiken verstehen und prägen

Management ist nötig, um Eigendynamiken unter Kontrolle zu halten. Deshalb ist die Kybernetik die wichtigste Grundlage für solide Managementtheorien. Denn komplexe Systeme steuern und regulieren sich selbst. Es geht hier um ganz bestimmte Signale mit einer ganz bestimmtem Wirkung und darum, wie in einem System die beste Informationslage entsteht.

Universelle kybernetische Gesetzmäßigkeiten

Aus der Kybernetik stammt das Wissen über universell gültige Gesetzmäßigkeiten des Funktionierens komplexer Systeme. Von Information abhängige Muster von Austauschbeziehungen bestimmen ihre Steuerung, Regulierung, Balance, Stabilität, Flexibilität, Effektivität und Evolutionsfähigkeit, Fehler-, Stör- und Krisenanfälligkeit.

Sicherheit im Management

Das Wissen über kybernetische Gesetzmäßigkeiten steht für eine unbezahlbare und notwendige Sicherheit, für intelligente Problemdiagnosen und Entscheidungen im Management. Kybernetik im Management steht im Kontext des Meisterns von Komplexität für die Evolution vom Glauben zum Wissen.

Im Topmanagement des Topmanagements sitzt immer die Natur

In den Tiefenstrukturen aller komplexen Systeme steckt ein universelles Bau- und Funktionsprinzip, das dafür sorgt, dass sich Systeme selbst steuern und regulieren. Man spricht auch von der Kybernetik eines Systems. Sie ist es, die entscheidet, welche Richtung eine Entwicklung annimmt. Der oberste Boss ist immer und überall die Natur. Mit ihr muss man sich arrangieren.

Kybernetik funktioniert genauso wie die Medizin

Von der Diagnose, Prognose bis zur Behandlung: Was die Medizin für den Organismus ist, ist die Kybernetik für Organisationen und Systeme. Die Anforderungen und Vorgehensweisen sind vom Prinzip her dieselben. Effektive Manager denken und verhalten sich genauso wie effektive Ärzte, ihre Arbeit unterscheidet sich nur durch die Sachthemen.
 

Kybernetik erster und zweiter Ordnung

Hier geht es um zwei fundamental unterschiedliche kybernetische Blickwinkel auf die Realität, die Heinz von Foerster entwickelt hat. Erst die Rückkoppelung zwischen erster und zweiter Ordnung liefert die entscheidenden praktischen Konsequenzen für den Erfolg, insbesondere für das Phänomen der Selbstorganisation.

Kybernetik erster Ordnung

Hier geht es um die Kybernetik von Systemen, die beobachtet werden und die damit verbundenen wissensabhängigen Fragen. In der Medizin wäre das zum Beispiel die Frage, wie der menschliche Organismus unter welchen Umständen arbeitet oder die Frage, welche Krankheit ein Patient hat und wie sie behandelt werden kann.

Kybernetik zweiter Ordnung

Hier geht es um die Kybernetik von Systemen, die selbst (in) Systeme(n) beobachten, und damit v.a. um die Fragen der Arten und Folgen von Beobachtungen, Messungen und anderen Verfahren, die zum Erreichen und Verarbeiten von Information bzw. Erkenntnis eingesetzt werden. Fehler und Probleme, die durch Untersuchungen entstehen, in der Medizin zum Beispiel Diagnosefehler, sind ein Beispiel dafür. Psychotherapeutische Anregungen, die dazu führen, dass ein Klient ein Problem anders als bisher wahrnehmen und betrachten kann, ebenfalls.

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