Die EntwicklungEN VON mARIA pRUCKNER UND IHR hINTERGRUND

Auf besonderen Wunsch vieler junger Menschen

Maria Pruckner mag das Wort Entwicklung. Aus kybernetischen Gründen legt sie überhaupt großen Wert auf eine möglichst einfache und eindeutige Sprache. Entwickeln kann man nur, was verwickelt, verkorkst, verknüpft, verfilzt oder dergleichen ist. Oder eben komplex, das heißt, ein Zusammenspiel vieler Faktoren, das mehr verschiedene Zustände und Ereignisse hervorbringen kann, als es die menschliche Vorstellungskraft und der beste Rechner zu erfassen imstande ist.

 

Das Lieblingsbild von Maria Pruckner für komplexe Systeme sind miteinander verbundene Flüsse und Seen. Sie können im Fluß und in Balance sein. Es können aber auch Engpässe und Blockaden entstehen, die das System aus der Balance kippen.  Das Lieblingsbild für das Phänomen der Selbstorganisation, einer Emergenz, aus der die sinnvollen und innovatitiven Dinge durch das optimale Zusammenwirken aller Faktoren wie von selbst entstehen, ist für Maria Pruckner ein Ei, in dem ein Küken ausgebrütet wird. Ein solches Ei braucht nur Wärme, dann entsteht das Küken quasi wie von selbst. Aber eben nur quasi, es entsteht durch das Phänomen der Selbstorganisation, das der legendäre Kybernetiker Heinz von Foerster beschrieben hat, ihr wichtigster Lehrer und enger Freund. Im Grunde ist das mit der Wärme im Management genauso, auch wenn es heute in der Industrie vielfach ziemlich kalt geworden ist.

Die Frage der Wärme

Das Leben ist wie ein Labyrinth. Es gibt immer einen Weg, der zur besten Lösung führt. Man muss ihn nur finden und gehen.
Das Leben ist wie ein Labyrinth. Es gibt immer einen Weg, der zur besten Lösung führt. Man muss ihn nur finden und gehen.

Das mit der "Wärme" ist für Pruckner keine moralische Frage, sondern eine von purem Pragmatismus. Frierende Muskeln können nicht viel leisten und Menschen, die mit sozialer Kälte konfrontiert sind, auch nicht. Alles, was Leistung bringen soll, ob Menschen, andere Lebewesen oder Maschinen, braucht konkret und sinnbildlich die passende Temperatur. Daher ist lieb sein allein in vielen Fällen keine große Hilfe. Manchmal braucht es eine Abkühlung, manchmal muss etwas befeuert werden. Aber was, wie und warum eigentlich? Als sich Maria Pruckner in jungen Jahren diese Fragen gestellt hat, ahnte sie nicht, wie viel sie mit der Thermodynamik zu tun haben (deren ursprüngliche Frage es war, wie man Wärme in mechanische Arbeit umwandeln kann). Aber sie hat diese Fragen grundsätzlich den Besten gestellt.

 

So ist es zu den Entwicklungen von Maria Pruckner gekommen. Sie stammen aus jahrzehntelanger enger Zusammenarbeit mit international führenden Wissenschaftlern und dem konsequenten Anwenden der Erkenntnisse der vielfach missverstandenen Kybernetik und anderer Systemwissenschaften, die heute zu den System Sciences oder Systemwissenschaften verschmolzen sind.  Das war deren Anfang:

ab 1948 | Systemtheorie, Kybernetik & Co

Mitbegründer der Kybernetik. Copyright: Archive ihrer Universitäten.
Mitbegründer der Kybernetik. Copyright: Archive ihrer Universitäten.

Die ersten entscheidenden Erkenntnisse über die besondere Natur von komplexen Systemen wurden 1948 von Norbert Wiener mit seinem Buch Cybernetics (Kybernetik) und 1949 von Ludwig von Bertalanffy mit seiner Allgemeinen Systemtheorie publiziert. Bald darauf folgte die Lehre der System Dynamics von Jay W. Forrester und die Chaostheorie mehrerer Autoren. Heute fasst man diese Lehren unter dem Begriff System Sciences / Systemwissenschaften zusammen.

 

Besonders die Allgemeine Kybernetik hat es Maria Pruckner angetan, weil sie das Gemeinsame am Funktionieren aller Arten von lebenden und technischen Systemen hervorhebt. Denn gerade das Zusammenspiel von Mensch und Maschine hatte sie in der Medizin früh kennengelernt, durch Maschinen, die Menschen am Leben erhalten und Menschen, die solche Maschinen erfinden und am Laufen halten. Heute ist das - Schlagwort Digitalisierung - das zentrale Thema der Wirtschaft.

ab 1959 | Paradigmenwechsel im Management und die SOLL-Modelle

"Wir sind die informierteste und gleichzeitig ahnungsloseste Gesellschaft, die je existiert hat." Ein Zitat von Peter Turrini, an der Mauer eines Gymnasiums in Wien. Copyright mariapruckner.com
"Wir sind die informierteste und gleichzeitig ahnungsloseste Gesellschaft, die je existiert hat." Ein Zitat von Peter Turrini, an der Mauer eines Gymnasiums in Wien. Copyright mariapruckner.com

Dass die Kybernetik, als Systemwissenschaft für komplexe Systeme, die Zwecke und Ziele verfolgen, die sicherste Basis für eine allgemein verlässliche Managementlehre sein könnte, erkannte als erster der Brite Stafford Beer. Seine erstes Buch dazu erschien 1959:  Cybernetics and Management. Beer ist der Begründer der Management-Kybernetik. Seine Konzentration lag auf der Frage, was ein Unternehmen lebensfähig macht und welche Parameter die effektive Organisation, Steuerung und Regulierung von Unternehmen erfordern. Von ihm stammt das Viable System Model (Modell lebensfähiger Systeme) und die erste Organisationsmethode für die effektive Kommunikation in Großgruppen: die Syntegration.

 

1972 publizieren die Professoren Hans Ulrich und Walter Krieg von der damaligen Hochschule St. Gallen, aufbauend auf den Arbeiten von Stafford Beer, das St. Galler Management-Modell und entwickeln die St. Galler Systemorientierte Managementlehre. Sie zeigten v.a.  das Wirkgefüge und die Parameter eines Unternehmens auf, die nach Gestaltung und Führung verlangen.

 

Etwa zur selben Zeit begann Wolfgang Mewes, ein deutscher Betriebswirt, mit der Entwicklung des bislang wohl schlagkräftigsten und einfachsten Konzepts zur Strategieentwicklung, das auf solide angewandter Kybernetik basiert: die Engpasskonzentrierte Strategie.

 

All diese Entwicklungen stehen für einen Paradigmenwechsel im Management. Es wurde der deutliche Unterschied zwischen den Fragen der Verwaltung/Betriebswirtschaftslehre und dem Führen eines Unternehmens sowie in einem Unternehmen aufgezeigt. Basis dieses Managementdenkens waren nicht mehr die eine oder andere Wirtschaftstheorie, der gesunde Hausverstand, die Intuition oder die Erfahrung besonders erfolgreicher Menschen, sondern die System Sciences. Denn diese zeigen auf,  weshalb Management überhaupt erforderlich ist und weshalb es dafür valide wissenschaftliche Grundlagen und Lehren braucht: Alles, worauf es in einem Unternehmen ankommt, weist die Charakteristik komplexer Systeme auf: Menschen, soziale Gruppen, organisatorische Einheiten, die IT, Lieferanten, Märkte, usw. Ihre wichtigsten Grundmerkmale: Sie funktionieren eigendynamisch und sie generieren mehr Information, als das menschliche Gehirn erfassen kann.

 

So trifft es das Zitat von Peter Turrini auf den Punkt: "Wir sind die informierteste und gleichzeitig ahnungsloseste Gesellschaft, die je existiert hat." Die hier vorgestellten systemwissenschaftlich basierten Management-Konzepte sind somit vor allem Relevanzfilter, welche die Aufmerksamkeit auf die entscheidenden Parameter steuern und so dafür sorgen, dass nach den relevanten Informationen gesucht wird, anstatt sich von einer Daten- und Nachrichtenflut in den Orientierungsverlust und ungünstige Entscheidungen treiben zu lassen.

ab 1976 | Management for everyone and and everything - das Anliegen von Maria Pruckner

Einfacher kybernetischer Regelkreis für iterative Prozesse. Copyright: Maria Pruckner
Einfacher kybernetischer Regelkreis für iterative Prozesse. Copyright: Maria Pruckner

Als Maria Pruckner 1976 ihre Ausbildung in Allgemeiner Gesundheits- und Krankenpflege antrat, war ihr Interesse an den Fragen der Unternehmensführung zwar durch ihren Vater schon angeregt, stand aber keinesfalls im Vordergrund. Doch bald nach ihren ersten Tagen stieß sie in einem Buch über die Berufskunde der Krankenpflege erstmals auf einen kybernetischen Regelkreis. Für sie war das damals die erste Theorie, der sie auf Anhieb Glauben schenken konnte. Denn ihr Interesse galt grundsätzlich verlässlichen Theorien, welche die Praxis so beschreiben wie sie ist. Damals war ihr noch unerfindlich, weshalb es überhaupt andere Theorien geben sollte. In der Konfrontation mit diesem ersten kybernetischen Regelkreis enstand ihre Neugierde für eine Theorie der Praxis, des Funktionierens an sich. Mit der Kybernetik hatte sie diese gefunden. Dank der großartigen Hilfe großartiger Mentoren, die ihr die nötigen, aber schwer auffindbaren Bücher besorgen halfen, konnte sie sich ab dieser Zeit die Kybernetik für sich erobern. Schritt für Schritt: Ein Prinzip ausprobieren, beobachten wie es funktioniert und dann studieren, weshalb es funktionierte, wie es funktionierte.

 

Durch dramatische Zwischenfälle in Kliniken wurde Maria Pruckner früh bewusst, was mit der enormen Stör- und Fehleranfälligkeit komplexer Systeme in den Büchern gemeint war. Ebenso, dass die Frage nach der Ursache und Schuld nicht ohne Weiteres fair zu beantworten war. Menschen in Gesundheitsberufen müssen für ihre Fehler persönlich haften. Es sind Berufe, mit denen man, wie es heißt, "immer mit einem Fuß im Gefängnis steht".  Aber wen macht man dafür verantwortlich, wenn "das System" für Störfälle verantwortlich ist? Wer sollte verurteilt werden? War das überhaupt die richtige Frage? Sollte sie nicht lauten: Was macht man dafür verantwortlich, wenn Störfälle auftreten? Und: Wie vermeidet man sie?

 

Die ersten Versuche von Maria Pruckner, die Prinzipien der Kybernetik bei ihrer Arbeit mit Patienten anzuwenden, zeigten mehr als überzeugende Erfolge. Für sie wurde ihr bald klar, dass nicht nur Führungskräfte den effektiven Umgang mit hoher Komplexität und Dynamik beherrschen sollten, sondern alle Mitarbeiter. General Management für Führungskräfte reichte ihr nicht. Sie wollte ein Management for everyone and and everything.

ab 1992 | Spitzenmedizin für Systeme und Fehlerpolitik

Eine perfekte Metapher für die Kybernetik. Mehr dazu erfahren Sie von Maria Pruckner selbst.
Eine perfekte Metapher für die Kybernetik. Mehr dazu erfahren Sie von Maria Pruckner selbst.

Anfang der 1990er-Jahre hatte Maria Pruckner die System Sciences im Selbststudium und wieder mithilfe großer Mentoren so weit durchdrungen, dass sie keinen Zweifel mehr daran hatte: Die Aussagen aus den System Sciences, insbesondere aus der Kybernetik, die sich in ihrem Berufs- und Privatleben bislang bewährt hatten, entsprachen dem Schema der Spitzenmedizin in Fragen der Diagnostik, Prognostik sowie dem Entwickeln, Umsetzen, Evaluieren und Adaptieren einer Behandlung. Was also, so ihr Schluss, die Medizin für den Organismus ist, können die System Sciences für Organisationen und Systeme sein.

 

So wie die Medizin ihre Modelle vom Aufbau und der Funktionsweise des Organismus hat, begann Maria Pruckner ab 1992 Modelle der universell gültigen Konfiguration und Funktionsweise des Problemlösens, Managens und Führens informationsverarbeitender Systeme zu entwickeln, also von Menschen, Maschinen, IT-Systemen, Mensch-Maschine-Systemen und von produktiven Systemen wie Unternehmen, Institutionen an sich.

 

1992 wechselte Maria Pruckner auch ihren Beruf. Nachdem 1989, im Geburtsjahr ihrer Tochter, eine Reihe von Morden an Patienten durch Pflegekräfte aufgedeckt worden waren,  wurde sie für ein marktführendes Unternehmen zur Entwicklerin von Krankenhausorganisationssystemen. Einseits entwickelte sie ein Konzept für eine Patientenzentrierte Krankenhausorganisation, andererseits integrierte Informations-, Kommunikations-, Organisations- und Dokumentationssysteme, die auf eine wirksame Fehlerprävention ausgerichtet waren. Patientenmorde begannen, sich zu häufen, als typisches Anzeichen unbeherrschter Komplexität. Das erlaubte ihr eine kompromisslose Offensive für eine kluge Fehlerpolitik im Gesundheitswesen in aller Öffentlichkeit. Eine Gratwanderung - einerseits waren über die Medien verängstige Bürger zu beruhigen, die sich trotz schwerer Erkrankung weigerten, eine Klinik aufzusuchen, andererseits waren Systemverantwortliche zu massiven Veränderungen zu bewegen und äußerst neurotisch motivierte Widerstände und Angriffe gegen einen offenen Umgang mit Mängeln und Fehlern zu überwinden.  Pruckner war daher trotz aller Fortschritte und Erfolge sicher: Sie hatte die Kybernetik noch nicht gut genug verstanden.

ab 1995 |Systemintelligenz, Selbstorganisation und Heinz von Foerster

Heinz von Foerster, Copyright Heinz von Foerster Archiv. Mit einem Klick auf das Bild kommen Sie zu einem Filmausschnitt mit seinem O-Ton auf YouTube
Heinz von Foerster, Copyright Heinz von Foerster Archiv. Mit einem Klick auf das Bild kommen Sie zu einem Filmausschnitt mit seinem O-Ton auf YouTube

In denselben Strukturen müssten laut damals und auch heute noch gängigen Managementlehren dieselben Verhaltenmuster auftreten. Die Beobachtungen von Maria Pruckner waren andere: Im selben Betrieb gab es Teams, die mit viel Freude an ihrer Arbeit täglich Höchtsleistungen und immer wieder auch Innovatives hervorbrachten, und gleichzeitig auch solche, in denen vieles daneben ging und die Stimmung schlecht war. An den Strukturen und der Unternehmensführung konnte das also nicht liegen.

 

Für eine intelligente Fehlerpolitik und -prävention mussten Pruckners Lösungen zwangsläufig auf den Erkenntnissen von Heinz von Foerster aufbauen. Erst er hatte mit seiner Kybernetik Erster und Zweiter Ordnung das Beobachterproblem aufgezeigt und in das kybernetische Denken integriert. Dieses sah Pruckner damals sowohl für das Entstehen von Fehlern als auch für das Enstehen von intelligenten Systemen verantwortlich. Sie vermutete damals, auch für das Phänomen der Selbstorganisation.

 

Die Primärliteratur der System Sciences liefert wahrlich harte Nüsse und sie ist für Leser, denen die höhere Mathematik nicht vertraut ist, vielfach undurchdringbar oder eine Quelle fataler Missverständnisse. Die Folgeliteratur strotzte bereits von Widersprüchen. Nun brauchte Maria Pruckner den kundigsten aller Lehrer. Zu ihrem großen Glück stellte sich genau zu dieser Zeit heraus, dass ihr Stammwirt der Bruder von Heinz von Foerster war: Uzzi Förster, ein Wiener Jazzmusiker und Avantgardist, der mit dem Club Einhorn "ihr" Jazzcafe betrieben hatte. Uzzi war damals nicht mehr am Leben, aber seine Frau Gerda brachte Maria Pruckner umgehend mit Heinz von Foerster zusammen. Sie wurde bis zu seinem Tod seine enge Schülern, beide wurden enge Freunde und Maria Pruckner Einblicke in die Kybernetik eröffnet, die nirgendwo nachzulesen waren.

bis 2000 | SOLL und IST: Diagnose, Prognose, SolutionDesign und Adaption auf Nanoebene

Wo echte Intelligenz herrscht, erkennt man rasch den Unterschied zwischen Ist- und Sollzuständen und man weiß, wie man den Sollzustand herstellen kann. Unter der wissenschaftlichen Begleitung von Heinz von Foerster evaluiert und adaptiert Maria Pruckner ihre bislang entwickelten Modelle, die diese Unterscheidungen und Lösungen ohne Umwege erlauben. Dabei geht es in vielfacher Hinsicht um doppelt geschlossene Regelkreise, ebenfalls eine Spezialität von Heinz von Foerster, die Pruckner bis dahin nur intuitiv verstanden und umgesetzt hatte. Mit seiner Hilfe wurde ihr klar, weshalb es bei hartnäckigen oder besonders genialen Systemen darum gehen muss, diese doppelten Schließungen zu finden.

 

Die entscheidenden Modelle von Maria Pruckner stellen doppelt geschlossene Regelkreise dar, um auch die hartnäckigsten Probleme erfassen und lösen zu können. Das macht sie bislang einzigartig. Sie setzen zudem an den Vorgängen in Neuronen und Nervensystemen an und damit auch beim Problem des Wissens und des Stress, den Auslöser von Mängeln und Fehlern erster Klasse.

 

Während sich die Modelle ihrer Vorgänger auf der Ebene der Mikroökonomie bewegen, liegen ihre Modelle auf der Nanoebene der Informationsverarbeitung in lebenden, sozialen und technischen Systemen. Das klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Denn anwenderfreundlich dargestellt, zeigen sie genau das, was jeder kennt und versteht.

 

Die Modelle von Maria Pruckner zeigen gleichzeitig den Sollzustand, die wahrscheinlichste Entwicklung aufgrund des Istzustands und die systemgerechte Lösung eines Problems in konkreten Parametern, die es auch bemühten Laien erlauben, zu erkennen, was nötig ist. Mit dieser Aussagekraft heben sich die Modelle von Maria Pruckner von den Modellen ihre Vorgänger ab. Ihren Anspruch, die Black Box dürfe nicht großer sein als jene in der Medizin, hat sie damit eingelöst.

ab 2001| Die Patientenrechte und St. Gallen

Maria Pruckner, Screenshot einer Filmaufnahme während der Kampagne für die Umsetzung der Patientenrechte, 2001
Maria Pruckner, Screenshot einer Filmaufnahme während der Kampagne für die Umsetzung der Patientenrechte, 2001

Alles, was Unternehmen voranbringt, basiert auf Kooperation. Für die Sicherheit der Patienten und Fachkräfte in Kliniken bedeutete das, den Patienten als Prosumenten zu betrachten, ihn als Mitarbeiter an der Lösung seines eigenen Problems zu betrachten. Diese Anforderung gilt heute auch in der Wirtschaft und Politik.

 

Mit einer breiten Aufklärungskampagne über die Bedeutung und Umsetzung der Patientenrechte in Österreich im Auftrag der NÖ Patienten- und Pflegeanwaltschaft und der Entwicklung eines ethisch und fachlich belastbaren Konzepts für Patientenverfügungen um die Jahrtausendwende, die auf der Anwendung ihrer kybernetischen Modelle basierten, beendete Maria Pruckner ihre 25 Jahre Pionierarbeit im Dienste des Gesundheitswesens und einer Patientenzentrierten Krankenhausorganisation.

 

Heinz von Foerster regte zu dieser Zeit die Zusammenarbeit von Maria Pruckner mit Fredmund Malik an. Sie übernahm in Maliks Auftrag die Rolle eines Sparringpartners sowie die öffentliche Aufklärung über die Bedeutung von Komplexität im Management und der Kybernetik. Sie produzierte damals zahlreiche Publikationen und Web(inter)aktionen, mit einfachen Worten auf populärwissenschaftlicher Ebene.

 

Das Internet wurde in dieser Zeit zur Selbstverständlichkeit. Die ersten Breitbandverbindungen und spätestens das Web 2.0 fungierten als starke virale Treiber. Der Begriff "Komplexität" wurde rasch übernommen, und verkam aber bald, so wie fast alle wertvollen Management-Konzepte, zum Buzzwort. Während gerade noch fast kein Mensch von Komplexität gesprochen hatte, wuchsen nun Komplexitätsexperten und Komplexitätsmanager wie die Pilze aus dem Boden. Das Thema und die Angebote dazu wuchsen exponentiell an.

 

In diesem Jahrzehnt war für Pruckner daher nur noch eine Frage zu klären: Kann es jemals gelingen, Management zu einem standardisierten Beruf zu machen, der auf einer soliden Wissenschaft und standardisierten Lehre basiert und einer entsprechenden Forschung und Entwicklung? Und wenn ja, wie?

 

2009 war für sie klar: Diese Vision würde wohl eine bleiben, die bestenfalls erst nachfolgende Generationen verwirklichen würden, wenn es dann nicht zu spät wäre. Denn:

Ab 2004 | Experimente mit der Entropie und die Komplexitätsfalle

Ein grobes Modell der Komplexitätsfalle, Copyright Maria Pruckner
Ein grobes Modell der Komplexitätsfalle, Copyright Maria Pruckner

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Maria Pruckner zahlreiche Systemstudien, Selbstversuche und kontrollierte Experimente gemacht, um sich des Phänomens der informativen Entropie bewusst zu werden - des zunehmenden Informationsmangels bis zum Chaos und der totalen Auflösung von Unterschieden.

 

Viele, viele Jahre verbrachte Maria Pruckner viele Stunden in Theatern, um die kybernetischen Phänomene in ihren konkreten Erscheinungsformen zu studieren, weil hier die Verwirklichung von Vorstellungen und die Interaktion zwischen Anbietern und Abnehmern am besten zu beoachten waren. In zahlreichen eigenen und anderen Internetforen und anhand mehrerer jahrelang geführter Blogs beobachtete sie die gängigen Denkmuster, deren Wandel und das Entstehen von Missverständnissen über systemwissenschaftliche Inhalte. Anhand aufwändiger Pilotprojekte in den verschiedensten Branchen und Bereichen testete sie ihre Modelle, Strategien und Methoden. Die Ergebnisse all dieser Studien publizierte sie vorübergehend im Web, manche davon auf Dauer in Büchern, um die Reaktionen zu beobachten.

 

2005 publiziert Pruckner ihr bewusst hässlich gestaltetes Buch DIE KOMPLEXITÄTSFALLE. Denn zumal immer mehr auf die Optik und immer weniger auf die Inhalte reagiert wird, konnte sie so sicherstellen, die wertvollen Reaktionen jener Leser zu gewinnen, welche sich auf den Inhalt konzentrieren konnten. Auch hier wurde der Titel als Schlagwort breit übernommen, und die Aussage dahinter bis auf wenige Ausnahmen ignoriert oder missverstanden. Kaum war dieses Buch publiziert, wurden von anderen die ersten Seminare über die Komplexitätsfalle angeboten. Sie selbst hat zwei Jahre länger gebraucht, um ein wirksames Seminar zu entwickeln und geben. Heute werden die Muster und Warnungen, die Pruckner in ihrem Buch DIE KOMPLEXITÄTSFALLE beschrieben hat, in vielen anerkannten Publikationen bestätigt.

 

Heute bestätigt sich vor allem auch das Phänomen der Entropie: Durch ungelösten Informationsmangel entsteht immer mehr ungelöster Informationsmangel. Nicht das Daten- und Signalangebot sorgt für eine ausreichende Informationslage, sondern ob und wie es verarbeitet wird. Alles steht und fällt mit der Lernbereitschaft und Lernfähigkeit.  Mit dem Prinzip fake it till you make it erreicht man weder das eine noch das andere. Das Geistige lässt sich nicht faken, aber Dumme lassen sich leicht täuschen. Doch mit Fakes und Täuschungen kommt kein Unternehmen, keine Wirtschaft und keine Gesellschaft voran.

Ab 2006 | Management im Kopf

Zweifellos komme es mit zunehmender Komplexität und Dynamik mehr und mehr darauf an, was Problemlöser und Manager spontan in ihrem Kopf abrufen konnten, und zwar auch noch unter Stress. Auch diese grundlegende Erfahrung hatte Maria Pruckner aus ihren Klinikjahren mitgenommen.

 

Gelungenes Management beginne mit einem Management im Kopf, das auf das professionelle Erkennen von entscheidenden Mustern und Wirkprinzipien ausgelegt ist. Pruckner kehrte von der General Managementlehre zur puren Kybernetik zurück. Sie nämlich sei die einzige Managementlehre, die sie bisher kennengelernt habe, die immer und überall funktioniere.

 

Mit kompakten Instrumenten könne man komplexe Verhältnisse auch unter hohem Stress noch geistig erfassen und verarbeiten. Auch diese Erfahrung hatte sie aus der Medizin mitgenommen. Durch übersichtliche valide Modelle werde verlässliches Wissen zur sicheren Intuition, die einem auch in extrem fordernden Situationen professionell handeln lasse. Das sei nichts Neues, in allen Blaulicht-Berufen und auch beim Militär selbstverständlich. Pruckner ging wie schon so oft in eine radikale Klausur. Kein Kontakt mit irgendwem, nur ihr Gehirn mit ihrem Gehirn und ihre Hände mit Papier, Stiften und dem Computer.

Ab 2010 | KyPendium und erste Schüler

In ihrer Klinikzeit hatte sie, wie die meisten Fachkräfte, ein kleines Notizbüchlein mit Index bei sich, in das sie alle wichtigen Hinweise eintrugen, die für bestimmte Situationen, Methoden oder Aufgaben wichtig waren, die neu waren oder nicht täglich vorkamen, also leicht vergessen werden konnten. Es war ein Management-System für die Brusttasche.

 

Beim Anblick der vielen dicken Ordner, die sie aus Managementausbildungen und -seminaren mitbekommen hatte, musste sie sich nicht wundern, weshalb sich so wenig aus der soliden Managementtheorie in der Praxis etablierte. Ein integriertes Managementsystem für die Brusttasche musste her.

 

Maria Pruckner entwickelte mit KyPendium das erste und ihres Wissens bislang einzige kybernetische Managementsystem auf Nanoebene. Es zeigt mit Modellen jene Stellen in Systemen, an denen die kleinsten Engpässe entstehen, die jedoch zu den größten Problemen führen können, und zwar auf der Basis ihrer Systemstudien und Experimente.

 

Mit den Systemwissenschaften, insbesondere mit der Kybernetik und mit komplexen Systemen, ist es so wie mit einer Kristallkugel. Wenn man sie betrachtet, sieht man vor allem sich selbst und seine Umgebung in einem verzerrten Spiegel. Aber man kann nicht durch sie hindurchsehen. Man kann sich nur durch sie durchdenken. Praktisch jeder Mensch wählt dafür einen anderen Ausgangspunkt und Pfad, aber praktisch niemand schafft es, alles, was relevant ist, spontan, gleichzeitig oder in einer vorbestimmten Reihenfolge zu erfassen. Hier stehen nicht nur Bildungslücken, sondern auch die Natur des Gehirns im Weg.

 

Dass man komplexe Verhältnisse nur anhand von Modellen ausreichend erfassen kann, weiß man seit Anbeginn der Kybernetik. Was diese Wissenschaft nicht geliefert hat, war, wie man anderen die Kybernetik so beibringt, dass sie diese richtig interpretieren und erfolgreich auf ihre eigenen Aufgaben und Probleme anwenden können. Um diese Frage zu lösen, entwickelte Maria Pruckner mit KyPendium das erste integrierte kybernetische Managementsystem zum treffsicheren Beurteilen und Lösen von Aufgaben und Problemen, Designen intelligenter Systeme und nachhaltiger Lösungen sowie zum Managen/Führen in Systemen.

 

KyPendium besteht aus einem Kompendium, das in einzelnen Modulen die entscheidenden Erkenntnisse, Prinzipien und Fragestellungen der Kybernetik als Mini-Bibliothek für die Jackentasche bereitstellt. Diese Module sind untereinander sowie mit den Parametern ihrer universell gültigen kybernetischen Modelle vernetzt. Diese Modelle bilden die allgegenwärtigen Wirkgefüge ab, die für das Gelingen, Misslingen und die Lern- und Lebensfähigkeit von Systemen verantwortlich sind. Sie zeigen die Situationen der Praxis aus der Perspektive unterschiedlicher Schwerpunkte. Ihre Parameter stehen für jene immer und überall vorhandenen Phänomene, die Einfluss auf die Steuerung und Regulierung von Systemen haben.

 

Das Wissen, auf das es ankommt, lässt sich als Text auf der Doppelseite einer großformatigen Tageszeitung abdrucken. Wirksam wird der Text aber erst durch seine topographische Organisation in den Modulen und Modellen. Denn das Erfassen und Verstehen von Sprache funktioniert genauso wie die Orientierung im Raum. Durch die räumliche Anordnung der entscheidenden Inhalte wurde KyPendium zu einem höchst schlagkräftigen Werkzeug. Nur ein Problem kann auch KyPendium nicht lösen: unzureichende Bildung. Das Problemlösen und Managen verlangt nach fundiertem Wissen aus vielen verschiedenen Fachgebieten, und ein belastbares Verständnis von Wissenschaft.

 

Bis 2014 entwickelte Maria Pruckner mit SYSTEM<->COACHING ein strikt anwendungsorientiertes Training ON THE JOB & ON DEMAND, in dem sie seither ihren Schülern das richtige Interpretieren von KyPendium, beurteilen ihrer Beobachtungen sowie das erfolgreiche Entwickeln und Umsetzen nachhaltiger kybernetischer Lösungen beibringt. Alle jene Schüler, die dieses Training ernst genug genommen haben, kennen die typischen Probleme im Umgang mit komplex-dynamischen Angelegenheiten heute sehr genau, haben sie selbst aber nicht mehr. Sie können nicht nur sich selbst, sondern auch anderen wirksam helfen, schwierige Situationen und Probleme souverän zu meistern.

Ab 2015 | InForMent

2014 publiziert Maria Pruckner die ersten beiden Bücher ihrer Reihe KOMPLEXITÄT IM MANAGEMENT, um ihren Schülern für die Zeit vor, während und nach ihres Trainings ein zusätzliches Denkwerkzeug an die Hand zu geben. Beim Verfassen des geplanten dritten Bandes stellt sich heraus: Diese Inhalte werden am besten in eine Software geschrieben. Dann nämlich erklären sie sich von selbst.

 

Was klar genug durchdacht ist, lässt sich kompakt und verständlich formulieren und vor allem programmieren. Die Architektur und Inhalte ihres Ansatzes sind vollendet und bekommen den Namen InForMent. Mehr darüber finden Sie auf dieser Website.

 

Aber weshalb kommt sie damit nicht breit auf den Markt? Nun, aus kybernetischen Gründen. Es hilft nichts, wenn die einen der Zukunft zu weit voraus sind und die anderen der Gegenwart nachhinken. Maria Pruckner wartet auf einen Systemzustand, der ihr diesen Schritt erlaubt. Bis dahin bleibt InForMent eine Basis für Insider.

ab 2018 | Konzentration auf Engpässe

Copyright Maria Pruckner
Copyright Maria Pruckner

Heute bedarf Maria Pruckner keiner großen Experimente mehr. Die berühmten 40 Lernjahre, in denen Anfänger zu Meistern werden, sind absolviert. Meister, so Pruckner, seien jene, die erfolgreiche Schüler hervorbrächten, andere seien nur Könner.

 

Ihr Anliegen war und ist es, das was sie von ihren Lehrern gelernt hat, an andere weiterzugeben. Akademisch qualifizierte Techniker und Juristen haben sich - bis auf eine Ausnahme - bislang als jene Schüler erwiesen, die aufgrund ihrer Vorbildung mit dem Paradigma der Kybernetik das meiste anfangen konnten. Sie konzentriert sich daher seit 2018 in Sachen Ausbildung auf diese Zielgruppe.

 

Ihren anderen Zielgruppen gegenüber konzentiert sie sich auf das rasche und nachhaltige Lösen von Engpässen durch kurze wirksame Impulse, auf die aktuell größte Herausforderung in der Wirtschaft und Gesellschaft, und auf das, was Sie zu gegebener Zeit erfahren werden...