KyPendium war ursprünglich nur als Inhouse-Lösung gedacht. Weil so viele Einzelpersonen nach diesem einzigartigen kybernetischen Instrumentarium fragen, habe ich mich für ein faires und ausgeklügeltes Lizenzsystem entschieden, das niemanden von der Arbeit mit dem KyPendium ausschließt, sofern er die intellektuellen und praxisrelevanten Voraussetzungen mitbringt. Mehr Info.
Heute muss ich meine früheren Einträge zu Toyota ausgraben, weil das Leben immer noch die besten Beispiele für praktische Kybernetik und die Komplexitätsfalle liefert. Sie kennen die Geschichte mit den klemmenden Gaspedalen, die Medienberichte darüber und die dramatischen Probleme von Toyota damit, nehme ich an. Siehe Rubrik “Toyota”
Heute ein Kurzbericht zum weiteren Verlauf der kybernetischen Geschichte, kopiert von news.orf.at:
Studie entlastet Toyota. Der japanische Autohersteller Toyota kann aufatmen: Nicht technische Unzulänglichkeiten waren Auslöser für viele der Unfälle in den Vereinigten Staaten, sondern Fehler der Fahrer. Eine vorläufige Regierungsstudie hat 58 Unfallschreiber ausgewertet und dabei festgestellt, dass bei mindestens 35 Unfällen die Fahrer überhaupt nicht auf die Bremse getreten hatten. In anderen Fällen bremsten sie nur halbherzig oder in letzter Sekunde.
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde hatte die Studie im Auftrag der Regierung angefertigt. Örtliche Medien zitierten gestern aus dem Papier, das an Parlamentarier in Washington ging. Bereits im vergangenen Monat hatte das „Wall Street Journal“ erste Ergebnisse veröffentlicht. Es gab demnach nur einen einzigen Fall, bei dem eine rutschende Fußmatte das Gaspedal verklemmt hatte, was zu einem schweren Unfall führte.
Die Studie stärkt Toyota den Rücken – zum einen bei den anstehenden Gerichtsverhandlungen über Schadenersatz für die Unfallopfer und Hinterbliebenen, zum anderen gegenüber der Politik. Insbesondere US-Verkehrsminister Ray LaHood hatte Toyota mehrmals unterstellt, der Konzern verheimliche den wahren Grund für das ungewollte Beschleunigen. LaHood hatte die komplexe Elektronik der modernen Wagen im Verdacht. Er hatte die National Academy of Sciences und die Raumfahrtbehörde NASA auf den Fall angesetzt.
Ein schönes – ja, d.h. schlimmes – Beispiel für die Komplexitätsfalle. Wenn es zu dicht wird, reagiert der Mensch irrational. Er steigt dann zum Beispiel aufs Gas statt auf die Bremse oder er vergisst zu bremsen, obwohl er zu schnell fährt. Und dann findet er für die Fehler, die er selbst gemacht hat, eine Unmenge an Erklärungen und Theorien. Bloss die richtige findet er nicht.
Der Auslöser der Komplexitätsfalle ist ein Mangel an relevanter Information. Toyota ist zu gratulieren, dass dieser Mangel behoben werden konnte, und zu bedauern für die Verluste, die das Unternehmen dadurch erlitten hat. Das Thema “Schadenersatz für Unfälle mit Toyota” ist gekippt zur Frage nach Schadenersatz für Toyota. So geht das in komplexen Systemen – so wirkt Information.
So mancher Leser der Komplexitätsfalle tut sich schwer damit, zu fassen, worum es hier geht und sich auszurechnen, wieviel Geld und andere Ressourcen man durch das Fehlen entscheidender Informationen über die Realität verliert. Am Beispiel Toyota kann man das nachvollziehen und sich ausrechnen. Wenn die Rechnung nicht ohnehin von der Presse geliefert wird, wie etwa von der Zeit:
Toyota hatte weltweit mehr als 8 Millionen Wagen wegen klemmender Gaspedale und rutschender Fußmatten zurückgerufen. Das Unternehmen ramponierte sein Image, die Verkäufe brachen ein, der Schaden geht in die Milliarden. Toyota musste überdies eine Strafe in den USA zahlen, weil der Hersteller die Probleme mit den klemmenden Gaspedalen nicht rechtzeitig gemeldet hatte.
Toyota repariert derzeit sein Image. Dazu nimmt der Konzern viel Geld in die Hand und stellt unter anderem neue Ingenieure für die Qualitätssicherung ein. Jedes noch so kleine Problem wird öffentlich gemacht, die Zahl der Rückrufe stieg in den vergangenen Monaten merklich an. Die ganze Branche reagiert seit dem Toyota-Debakel sehr sensibel auf technische Patzer.
Das erste Symptom der Komplexitätsfalle ist das Sichersein, alles wahrzunehmen bzw. wahrgenommen zu haben, was wahrzunehmen ist bzw. war.
Für komplexe Umstände gilt: Nur wer weiß, was er alles nicht wahrnimmt und wahrnehmen kann, darf sich einigermaßen sicher fühlen. Die Kybernetik hat den Sinn, die Aufmerksamkeit auf relevante Ausschnitte der Realität zu lenken, um das Funktionieren einer komplexen Angelegenheit zu überblicken und verstehen.
Hier zwei hervorragende Videos der beiden Psychologen Daniel Simons und Christopher Chabris, die helfen, die eigene Wahrnehmung zu testen. Einfach der Anleitung im Video folgen:
Das passiert einem doch nur einmal? Noch ein Test.
Ab 1. Juli 2010 wird mein neuer Firmenstandstandort in Wien, 6. Bezirk – Mariahilf sein.
E-Mail-Adresse und Mobilnummer der Firmenadresse bleiben gleich, neue Kontaktdaten hier.
Ich freue mich darauf, Sie/Dich dort begrüssen zu können!
Wunder, Wunder nennt man gern Dinge, die man sich nicht erklären kann. Was man sich aber nicht erklären kann, muss noch lange kein Wunder sein.
Bloss nicht denken, bloss nicht lernen, bloss nicht forschen, wäre die logische Konsequenz, wollte man eine wundervolle Welt endlich haben. Und nichts, nichts ist einfacher, als für Wunder zu sorgen. Und es verkauft sich noch immer gut!
Die Grammatik verhält sich zur Poesie wie die Gynäkologie zur Erotik. Keine Ahnung, von wem dieser geniale Satz stammt; wäre nett, könnte mir das jemand vorbeischreiben.
Sprache ist die Klaviatur, mit denen man die Saiten der menschlichen Phantasie bespielt, und ihre Worte sind die einzelnen Tasten. Meine Beziehung zur Grammatik ist drum seit immer schon gestört: Die Ansprüche, die sie erhebt – sie sind, als würde man dem Maler die Borsten vom Pinsel zupfen, dem Pianisten die Saiten aus dem Flügel nehmen, dem Bildhauer sein Fäustel abnehmen oder den Schauspieler ohne Rolle auftreten lassen.
Die sehr geehrte Grammatik, sie stellt zum Beispiel eine ganze Menge Hilfswörter zur Verfügung, die sie dadurch charakterisiert, dass sie keine eigenständige lexikalische Bedeutung haben. Gleichzeitig zählt sie aber eine ganz bestimmte Kategorie von Wörtern nicht(!) zu den Hilfswörtern, mit denen sie aufs Unverschämteste betrügt! Denn sie lassen sich keineswegs sauber lexikalisch definieren: die Hilfshauptwörter. Gott, das größte allerdieser, ist nur ein erstes Beispiel für die vielen Begriffe wie Liebe, Geist, Kunst, Management, usw.
Schlägt man im Lexikon nach, was Gott bedeutet, liest man so etwas wie Schöpfer. Schlägt man dann nach, was Schöpfer bedeutet, liest man: Gott. Sie sehen? Das ist pure Verschwörung im feinsten kafkaesken Stil. Hilfshauptwörter, sie sind nur Platzhalter für etwas, was man gerade meint, Silbenkombinationen totaler Beliebigkeit. Wenn man sie in ihrer Nacktheit ansieht, sagen sie nichts, meinen sie bloss vielleicht etwas und auch das nicht einmal oft, schon gar nicht immer.
Hilfshauptwörter sind Blockaden. Blockaden, die die Sprache gegen das Denken errichtet. Die Grammtik tut so, als wäre das in Ordnung. In der Eigennützligkeit der Sprache tut sie das. Es ist ihr egal. Hauptsache man spricht. Hauptsache, man denkt nicht nach. Da könnte man ja ins Schweigen verfallen. Und wozu wäre die Sprache dann noch gut? Sie macht mit, die Grammatik, bei den billigen Geschäften, die bloss deshalb florieren, weil man nicht denkt.
Nein, kein Ausflug in die Theologie. Nein, nicht über Delikates. Nein, nicht schon wieder von verwerfenswerter und anzuklagender sexueller Ausbeutung. Nein! Auch nichts über die bitteren Folgen von Gier und Völlerei. Nein, nichts über Todsünden. Ja, über ein Glauben. Über das Glauben, ob und wie sehr man für seinen und in seinem Job leiden muss, ob nun gerade als Führungskraft oder Mitarbeiter, als Kunde oder Lieferant, ob man unter oder mit anderen leidet, unter etwas oder schlichtweg unter sich selbst. Darüber, ob es intelligent ist, sich mit Problemen, Leid und leiden abzufinden, oder einfach nur dumm… Aber hören Sie selbst…
Bionik und Kybernetik sind wie siamesische Zwillinge. Sie unterscheiden sich voneinander, können aber nicht ohne einander. Bionik steht für das Lernen von der Natur für Problemlösungen des Menschen. Die Kybernetik hingegen erklärt die Natur des Funktionierens komplexer Systeme, ohne Anwenden von Bionik wäre diese Wissenschaft nie entstanden. Damit man mittels Bionik auf neue Lösungen kommt, kann man wiederum nicht auf das Wissen der Kybernetik verzichten. Im Management ist die Bionik noch nicht allzulange zu Hause; auf diesem Gebiet wird noch vielfach missverstanden, warum es hier worum geht. Mit meinem Film Bionik im Management, habe ich versucht, Klarheit zu schaffen.
Der Verhaltensökologe Prof. Dr. Jens Krause, der Bio-Robotiker und Mitbegründer der neuen Künstlichen Intelligenz Prof. Dr. Rolf Pfeifer und die Management-Kybernetiker Prof. Dr. Fredmund Malik, Dr. Martin Pfiffner und Dr. Karl-Heinz Oeller geben auf kritische Fragen Einblick in die Bedeutung biologischer Vorbilder für komplexe Problemlösungen in der Technik und im Management.
2009, Buch, Regie und Produktion: Maria Pruckner. Diesen Film und den Livemitschnitt dieser 2-tägigen Konferenz kann man auf Video-DVD in diesem Online-Shop bestellen.
Dieser Film ist ein Dokument meines denkbar komplexesten und anspruchsvollsten, aber nicht mein schwierigsten Projekts – sowohl in Sachen Praktischer Kybernetik als auch in Sachen Buch und Regie, außerdem sieht man mich hier ausnahmsweise auch vor der Kamera bei der Arbeit. Der Film entstand 2002 im Auftrag der Niederösterreichischen Patienten- und Pflegeanwaltschaft. Er diente zur Aufklärung über den verantwortungsbewussten Einsatz von Patientenverfügungen und war nur eines von mehreren Informationsmedien und Managementtools zu diesem Thema und den Patientenrechten, die von mir mit den Methoden angewandter Kybernetik konzipiert, gestaltet und realisiert wurden. Aufgrund der bald nach dem Projekt erzielten Gesetzesnovellen ist der Film inhaltlich seit etwa 2003 nicht mehr auf aktuellstem Stand.
In Memoriam für Elisabeth Stefan. Sie stellte die Frau dar, die für den Fall einer schweren Krankheit und damit verbundener Unfähigkeit zur Entscheidung und Kommunikation eine Patientenverfügung vorbereitet. Man lernt sie im zweiten und dritten Teil kennen. Elisabeth Stefan setzte sich während der Dreharbeiten intensiv mit dem Sterben und dem Tod auseinander, war aber agil und gesund. Für uns alle schockierend, verunglückte sie wenige Tage nach Abschluß der Dreharbeiten tödlich.