Man wünscht sich heutzutage weniger

Ein Beitrag zum Themengebiet ZUR ZEIT, MENSCHEN, geschrieben am 1. Januar 2009 von Maria Pruckner

Als ich noch sehr jung war, hatte ich viel mit sehr alten Leuten zu tun. Die noch den Krieg erlebt hatten, im KZ, in Gefangenschaft waren, verwundet wurden, deren Männer und Söhne gefallen sind und die und deren Töchter man vergewaltigt hat.

Und gestern, gestern fiel mir ein, dass einem solche alten Leute ein “glückliches” Neues Jahr gewünscht haben, nicht nur ein “gutes” oder ein “erfolgreiches”. Wünscht man sich heutzutage weniger, weil von glücklich sein heutzutage keine Rede mehr ist?

Was aber auch ist ein glückliches Jahr? Ein geglücktes? Oder eines, in dem man glücklich ist? Oder beides?

Und wodurch wird man glücklich? Die romantische Antwort wäre, wenn einem der größte Wunsch in Erfüllung geht. Die kybernetische Antwort ist, wenn sich die Dinge, die man braucht, um sich erfüllt zu fühlen, wie von selbst fügen - wenn Selbstorganisation das bewirkt, was man sich gewünscht hat.

So gesehen wünscht man sich heute weniger, wenn ein Jahr nur gut und erfolgreich sein soll, obwohl wir noch nie mehr Möglichkeiten hatten, gezielte und erwünschte Selbstorganisation zu ermöglichen.

Menschen, die diese Art von unbeherrschbarem Leid erlebt haben, sind sie mutiger in ihren Wünschen oder einfach nur weiser? Ist es dieser kleine Unterschied zwischen Bescheidenheit und Demut, der es erlaubt, Glücklichsein oder nur Gutes und Erfolg zu wünschen? Ich glaube, nein.

Glücklichsein, das reicht bis in die Seele, was immer sie ist. Für Gutes und Erfolg reicht es, wenn nur die Ratio bedient wird.

Man wünscht sich heutzutage weniger. Ich wünsche Ihnen heute mehr: Ein glückliches Neues Jahr!

Und schon wieder dieses Weihnachtsding

Ein Beitrag zum Themengebiet ZUR ZEIT, geschrieben am 22. Dezember 2008 von Maria Pruckner

Watzlawick-Kenner wissen um das Problem der "Sei spontan"-Paradoxie. Man kann nicht spontan sein, wenn man dazu aufgefordert wird. Mit Weihnachten ist es dasselbe. Da entsteht die "Habt euch jetzt alle sehr lieb"-Paradoxie. Und schon geht man sich auf die Nerven.

Damit Friede, eitel Wonne und strahlender Sonnenschein herrschen, meinetwegen auch mit Schneeglitzern, bitteschön, tue ich, was ich kann, das ganze Jahr über. Und zu Weihnachten vertrolle ich mich, dort hin, wo man sich ohnehin lieb hat, ganz ohne Weihnachtsauftrag und eine Menge Arbeit.

Meine sehr geehrten Kunden, Lieferanten, Kooperationspartner, Kollegen, Bekannten und so weiter, die allenfalls, was ich ohnehin nicht glaube, akribisch prüfen, wer ihnen zu Weihnachten Grüsse und Wünsche geschickt hat, werden also wieder feststellen, dass von mir keine Karte kommt und auch sonst nichts. Weil, zu viele Nachrichten sind ihr  grösstes Problem, und dass sie ständig jemandem Aufmerksamkeit schenken müssen. Und weil, wenn’s schon paradox ist, dann sind die liebevollsten Grüsse in diesem Fall wohl die, sie nicht zu schicken…

Also danke ich ganz besonders allen, die mir keine Weihnachtsgrüsse schicken und mir somit meinen Stress ersparen, keine solchen geschickt zu haben und für deren Beschickung danken zu müssen und mit aller Innigkeit all denen, die sich das ganze Jahr über mir gegenüber wie zu Weihnachten verhalten. Hierzu aber einen exquisiten Gruss, die exzellentesten Wünsche und grössten Dank an "meine" zwei tollen Musketiere, von denen der eine aussieht wie die perfekte Mischung aus Mario Adorf, Bud Spencer und Götz George und der andere wie Zeus, verkleidet als irischer Landadeliger…  

Managementfehler. Puuuh!

Ein Beitrag zum Themengebiet MANAGEMENT & JOURNALISMUS, KOMPLEXITÄT & KYBERNETIK, geschrieben am 27. November 2008 von Maria Pruckner

Managementfehler. Ein Wort, das man immer öfter liest. Managementfehler. Puuuh! So was von schlimm, schlimm… Und, ja selbstverständlich, vor Gericht gehören die Managers, die Fehler gemacht haben. Was aber auch!

Die moralischen Zeigefinger sind so lange geworden wie die von knorrigen alten gaaaaanz bösen Hexen, die unbedarfte kleine Kinder in ihr Knusperhäuschen locken und vernaschen wollen, Hänschens vor allem.

Also die Gretchenfrage: Woran will man denn Managementfehler fair messen und gescheiterte Managers verurteilen? Wer fragt nach einem Berufsstandard für Manager, der professionelle Arbeit von Stümperei unterscheidet? Der vorneweg sagt, wofür man bestraft und wofür man belohnt wird?

Ist schon eine Weile her, da habe ich zu dieser Frage eine kybernetische Systemstudie veröffentlicht, mit einem bösen, bösen Titel: Self Fucking Systems - oder Information macht glücklich.  Der Titel hat Furore gemacht. Der Inhalt (noch) nicht…

Ein Taxifahrer muss eine Prüfung ablegen, bevor er Fahrgäste fahren darf, um nicht zu sagen, führen. Was legen Managers ab? Die das Schicksal von mehr Leuten beeinflussen, als in ein Taxi passen?

Urlaub? Was ist Urlaub?

Ein Beitrag zum Themengebiet KOMPLEXITÄT & KYBERNETIK, MENSCHEN, geschrieben am 8. November 2008 von Maria Pruckner

Die Welt verändert sich immer schneller und unsereins? Kann unsereins Mensch seine liebgewordenen (Denk- und Arbeits)Gewohnheiten schnell genug ändern? Eine Nachricht für viel gebrauchte Kopfarbeiter.

Da ist die Sache mit Urlaub. Man kennt sie als eine Zeiteinheit von mehreren Tagen, Wochen, manchmal sogar Monaten, in der man alles sein lässt, was mit bezahlter Arbeit zu tun hat. Man geht dann nicht an seinen Arbeitsplatz, man redet dann nicht mit Chefs, Kollegen und Mitarbeitern und schon gar nicht mit Kunden oder dergleichen.

Ja, und dann. Und dann ist der Urlaub vorbei und an seinem Arbeitsplatz haben sich Berge von Arbeit angehäuft, von denen man sich erst mal etwas überfordert fragt, wie man sie je wieder abbauen sollte. Angefangen von einer bis zur Blockade gefüllten Mailbox, geendet bei Fehlentwicklungen aufgrund entscheidender Informationen, die man im Urlaub nun mal nicht bekommen  bzw. abgegeben hat. Drum sind immer mehr viel gebrauchte Kopfarbeiter auch im Urlaub erreichbar, was bedeutet, dass ihre Urlaube eigentlich keine Urlaube mehr sind. Was aber auch!

Und was kann man da tun? Dies Folgende nun ist - nein, fürwahr nicht! - kein Patentrezept, aber für den einen oder anderen vielleicht ein guter Weg, der meine nämlich, den ich schon seit vielen Jahren gehe. Ich mache keinen Urlaub mehr, keinen Urlaub im herkömmlichen Sinn. Ich mache Pausen unterschiedlicher Art.

Pausen vom Schreibtisch und PC zum Beispiel, wenn ich an Dingen kopfe, die ich nur mit meinem Kopf kopfen kann. Das kann ich überall. Auf meinem Weinberg, in irgendeiner City im Straßencafe, auf der Autobahn oder sonstwo.

Pausen von anstrengenden Menschen zum Beispiel, immer dann, wenn ihre Beiträge mal nicht notwendig sind. Das sind dann so etwas wie Feiertage für mich. Zum Beispiel der "Heute geht es mal ohne Michael Müller-Feiertag" - Name von der Redaktion geändert.

Pausen von Projekten zum Beispiel, wenn ich auf Beiträge anderer warten muss, damit es wieder weitergehen kann. Pausen von Themen zum Beispiel, zu denen mir gerade ohnehin nichts Kluges einfällt.

Pausen vom Job, wenn es mal ein paar Stunden, Tage ohne mich geht. Pausen von mir selber, wenn ich das Vergnügen habe, all meine Aufmerksamkeit den Gedanken interessanter Leute schenken zu dürfen.

So, in diese Richtung. Bildhaft gesagt: Ich tanze mit dem System, bewege mich in seinen Rhythmen, in seinen Takten, ich mache die Pausen, die es mir schenkt und das System schenkt mir dafür einen Informationsflow, der mir das, was zu verstehen und tun ist, erheblich leichter macht, weil ich keine allzugroßen Informationslücken aufholen muss.

Und das Privatleben? Es ist nun mal so: Komplexe Systeme und Probleme meistern verlangt alle Hingabe. Die Zeit, die wer oder was bekommt, bekommt er oder es zu 100% alle Aufmerksamkeit und so ich alle Information, die ich bloss erfassen, wenn auch nicht immer begreifen kann, die für die besten Lösungen nötig sind.

Nicht schön? Was aber auch! Ich habe noch nie große Meister getroffen, die es leichter (gehabt) hätten. Man muss sich bloß entscheiden, ob man einer sein oder werden will. Die Zeit, die vergeht ohnehin, unwiederbringlich nämlich. Die Frage ist, wie man sie nutzt.

Heilsame Eskalationen

Ein Beitrag zum Themengebiet KOMPLEXITÄT & KYBERNETIK, MENSCHEN, geschrieben am 29. Oktober 2008 von Maria Pruckner

Vor kurzem traf ich einen Leser meiner Papers und Bücher. Der sagte mir, dass er lange gedacht hätte, Eskalationen seien etwas Schlimmes, was man unbedingt verhindern müsse. Er hätte das Heilsame in ihnen lange nicht gesehen und verstanden. Aber jetzt, Stichwort Finanzkrise, sei er richtig froh. Weil, hier werde ein Wahnsinn beendet, der schon zu arg um sich gegriffen hätte. Jetzt verstünde er, warum es manchmal durchaus Sinn macht, Eskalation nicht zu verhindern, ja im Gegenteil, sie zu fördern.

Kommt drauf an, auf das “manchmal”. Wenn Eskalation z.B. dazu beiträgt, Realitätsverlust abzubauen, macht das durchaus Sinn, Eskalation zu provozieren. Aber abgesehen davon. Wenn das System so weit im Argen ist, dass Selbstregulierung nicht mehr anders geht, eskaliert es ohnehin. Wo es will und wie es will.