kybernetik

Die Kybernetik ist die Wissenschaft über das Funktionieren komplexer Systeme und ihre effektive Organisation. Sie ist eine Systemwissenschaft, die in der Technik, im Management und in vielen anderen Gebieten seit rund 60 Jahren genutzt wird, um komplexe Probleme und Aufgaben erfolgreich und nachhaltig zu lösen und um hocheffektive Systeme zu entwickeln.
Was hilft die Kybernetik?
Mit den Grundlagen, Modellen, Methoden und Tools der Kybernetik lassen sich komplexe Probleme treffsicher diagnostizieren, künftige Entwicklungen frühzeitig erkennen, Strategien, Stukturen und Prozesse zweck- und zielgerichtet gestalten und komplexe Systeme wirksam steuern und regulieren.
Mit Kybernetik löst man kollaborativ folgende Fragen
- Wie kann man komplexe Umstände, Probleme und Systeme – trotz hoher Informationsdichte, bei gleichzeitigem Mangel an relevanter Information und wenig Zeit – rasch und sicher erfassen?
- Wie kann man die realistische Entwicklung in komplexen Systemen so rechtzeitig wie richtig vorhersehen und auf effektivstem und wirtschaftlichstem Weg zweck- und zielgerichtet beeinflussen?
Durch angewandte Kybernetik erkennt man das Funktionieren, die Effektivität, die Erfolgschancen sowie das Störungspotenzial aller komplexen Systeme und wie man sie am besten behandelt und optimiert. Sie hilft, komplexe Probleme fächerübergreifend und fächerverbindend auf der Basis einer gemeinsamen Grundlage auf kollaborativem Weg optimal zu lösen.
Die Wissenschaft von der Praxis
In der angewandten Kybernetik geht es immer um das effektive wie ökonomische Realisieren von Zwecken und Zielen, daher um Fragen der Steuerung und Regulierung, Wirklichkeit, Ordnung, Unordnung, von Chaos, Funktionalität, Störungen, Krisen, Eigendynamiken, Hirnleistungsproblemen, Beobachtung, Wahrnehmung, Information, Kommunikation, Erkenntnis und Entscheidung. Man könnte auch sagen, die Kybernetik ist die Wissenschaft der Wirkungen an sich, d.h. der naturgegebenen Wirkungen, die der Mensch herbeiführen und beherrschen kann und derer, die mächtiger sind als er.
Die Wissenschaft vom Funktionieren
Management ist notwendig, um die Komplexität und Dynamik mit ihren naturgegebenen Eigendynamiken unter Kontrolle zu halten. Deshalb ist die Kybernetik die wichtigste wissenschaftliche Grundlage für solide Managementtheorien.
Komplexe Systeme steuern und regulieren sich selbst und zwar durch Information und Feedback. Mit Information und Feedback ist allerdings nicht das gemeint, was in der Alltagssprache darunter verstanden wird. Es geht hier um ganz bestimmte Signale mit einer ganz bestimmtem Wirkung und darum, wie in einem System die beste Informationslage entsteht.
Der oberste Boss ist immer und überall die Natur
Informationen und Feedbacks bestimmen die Möglichkeiten und Grenzen der Leistung und Dynamik von Systemen. In ihren Tiefenstrukturen steckt ein universelles Bau- und Funktionsprinzip, das dafür sorgt, dass sich Systeme selbst steuern und regulieren. Man spricht hier auch von der Kybernetik eines Systems. Sie ist es, die letztlich entscheidet, welche Richtung eine Entwicklung annimmt. Der oberste Boss ist immer und überall die Natur, mit der sich intelligente Manager arrangieren.
Für Sicherheit im Management
Im Rahmen der Kybernetik wurden universell gültige Gesetzmäßigkeiten erforscht, die das Funktionieren aller komplexen Systeme entscheiden – so genannte kybernetische Prinzipien, Gesetze oder Laws. Es sind informationsabhängige Funktionsprinzipien der Austauschbeziehungen zwischen Systemelementen, die für die Steuerung, Regulierung, Balance, Stabilität, Flexibilität, Effektivität und Evolutionsfähigkeit von komplexen Systemen verantwortlich sind, aber auch für deren Fehler-, Stör- und Krisenanfälligkeit. Dieses Wissen gibt Führungskräften die notwendige Sicherheit für intelligente Problemdiagnosen und Entscheidungen.
Die Kybernetik als Meta-Disziplin
Als Systemwissenschaft behandelt die Kybernetik fächerübergeordnet und fächerverbindend das Gemeinsame unterschiedlicher Systeme, während es in herkömmlichen wissenschaftlichen Fächern um das Unterschiedliche in gleichartigen Systemen geht. Sie ist daher im Management nicht nur durch ihre Spezialisierung auf Probleme und Chancen durch Komplexität besonders hilfreich, sie unterstützt insbesondere auch die inter- und multidisziplinäre Zusammenarbeit in der Aufgabenteilung.
Die Kybernetik als Formalwissenschaft
Die Kybernetik ist zudem eine Formalwissenschaft. Das heißt, sie entwickelt keine konkreten Lösungen für konkrete Probleme, sondern wissenschaftliche Methoden für die Suche, Entwicklung und Umsetzung einer jeweils besten Problemlösung – in diesem Fall für effektive komplexe Systeme, weil diese immer individuell sind. Als Formalwissenschaft ist die Kybernetik für Manager daher das wichtigste Denkwerkzeug.
Die Kybernetik funktioniert genausso wie die Medizin
Was die Medizin für den Organismus ist, ist die Kybernetik für Organisationen und Systeme. So, wie man anhand medizinischer Modelle vom gesunden Organismus krankhafte Abweichungen feststellen kann, kann man mittels kybernetischer Modelle feststellen, wie weit ein System den effektivsten kybernetischen Tiefenstrukturen entspricht oder von ihnen abweicht. Mängel, Probleme, Risiken, Chancen, Entwicklungen und Lösungen lassen sich so auf schnellstem Wege solide diagnostizieren, prognostizieren und umsetzen.
Kybernetik erster und zweiter Ordnung
Hier geht es um zwei fundamental unterschiedliche kybernetische Blickwinkel auf die Realität, die mein Lehrer Heinz von Foerster entwickelt hat. Erst die Rückkkoppelung zwischen erster und zweiter Ordnung liefert die entscheidenden praktischen Konsequenzen für den Erfolg, insbesondere für das Phänomen der Selbstorganisation.
Kybernetik erster Ordnung: Hier geht es um die Kybernetik von Systemen, die beobachtet werden und damit um klassische Fragen der Steuerung und Regulierung in einem System. In der Medizin wäre das zum Beispiel die Frage, wie der menschliche Organismus unter welchen Umständen arbeitet.
Kybernetik zweiter Ordnung: Hier geht es um die Kybernetik von Systemen, die selbst (in) Systeme(n) beobachten, und damit v.a. um die Fragen der Arten und Folgen von Beobachtungen, Messungen und anderen Verfahren, die zum Erreichen und Verarbeiten von Information bzw. Erkenntnis eingesetzt werden. In der Medizin wären das zum Beispiel die Verfahren der Untersuchung und das damit verbundene Potenzial für Diagnose- und Behandlungsfehler.
Der Begriff Kybernetik hat mehrere Bedeutungen
1. Kybernetik als Wissenschaft: Die Kybernetik ist eine Formal-, Meta- und Systemwissenschaft. In diesem Sinne entwickelt sie wissenschaftliche Methoden – in diesem Fall zur Erforschung und Behandlung komplexer Systeme.
2. Kybernetik als Phänomenkomplex: Als Kybernetik bezeichnet man aber auch die jeweils konkret wirksamen Elemente der Steuerung und Regulierung sowie die Art und Weise ihrer Wirkung, die für das Funktionieren eines bestimmten Systems sorgen.
3. Kybernetik als wissenschaftliche Praxis oder Methode: Der Begriff Kybernetik steht aber vor allem für die beste wissenschaftliche Methode, komplexe Systeme professionell zu untersuchen, Probleme treffend zu diagnostizieren, das mögliche Verhalten komplexer Systeme solide zu prognostizieren, komplexe Probleme auf professionellste Art und Weise zu lösen und die Entwicklung von komplexen Systemen ebenso professionell zu gestalten.
4. Fachkybernetik: Aus der Allgemeinen Kybernetik haben sich verschiedene Anwendungsbereiche der Kybernetik als eigene Disziplinen entwickelt. Zum Beispiel die Technische Kybernetik für technische Systeme, die Biologische Kybernetik für lebende Systeme, die Management-Kybernetik für zweckorientierte Unternehmen und Institutionen, die Geselllschafts-Kybernetik für große Gemeinschaften oder die Medizinische Kybernetik für das Gebiet der Medizin. Fachkybernetische Disziplinen konzentrieren sich einerseits auf die besondere Natur bestimmter Systemarten und andererseits auf die beste Anwendung kybernetischer Grundlagen im jeweiligen Fachgebiet.